"Das Alte Backhaus"
Einblick in die wechselvolle Geschichte
Das "Alte Backhaus" in der Echternstrasse
92 ist ein Bau der Spätrenaissance aus dem Jahre 1591. Den
älteren Lemgoern ist dieses schöne Fachwerkhaus vielleicht
noch unter dem Namen "Domschenke" bekannt.
Der Bauherr ist mit großer Wahrscheinlichkeit
Hannibal Mesoll gewesen. Ein Hinweis heirauf geben die Schilde
im mittleren Brüstungsbrett: Links Pflugschar mit Rose (Hinweis
auf bäuerliche Herkunft) und den Initialen H M, im rechten
Schild ein Vogel mit den Initialen M. T.
1603 war der Bauherr Proveherr im Braueramt,
hat also selbst Bier gebraut. Zehn Jahr später wird er Chirurgus
und Meister genannt, der äußere Verletzungen, Knochenbrüche
und Verrenkungen behandelte. Sicher ist er wohlhabend gewesen,
denn dies ist eines der wenigen alten Häuser, das auch die
Zahlungskraft der ursprünglichen Echternstrasse repräsentiert.
Nach Hannibal Mesolls Tod im Jahr 1627 hat
er das Haus auf seine Frau übertragen, die mit dem Kesselführer
Cord Arend und seiner Frau Anneke eine "Transaktion"
geschlossen hatte, wonach dieses nach dem Tode der Witwe im Jahr
1629 Besitzer des Hauses wurden.
Das Haus wurde im 30-jährigen Krieg
ruiniert, im Jahr 1651 von dem Ehepaar Arend testamentarisch den
beiden Kirchen vermacht und dann für 100 Taler an Grönen
Erben verkauft. Die haben das ruinierte Haus wohl wieder instand
setzen lassen und weiter verkauft.
1654 wird der Bäcker Reneke Stertfedder
aus einer alten Lemgoer Familie genannt. Die Stertfedder sind
anscheinend alle Bäcker gewesen.
Danach wechselte das Haus noch mehrere Male
die Besitzer: Hermann Schmidt und Frau, der Schneider Hans Hermann
Weege, der Schmied Hoh. Berend Evers, Otto Culemann, der hier
einen Kaufladen eröffnet hatte, Kaufmann Franz Heinrich Klocke,
Fassbinder Christian Plöger, Bäcker und Gastwirt Georg
Helming.
Seit etwa 1890 hat die Familie Helming etwa
ein Jahrhundert lang das Haus besessen und unter dem Namen "Domschenke"
betrieben.
Das Haus wurde im 1992 saniert und bei der
Auskernung ist sicher manche Erinnerung an seine früheren
Bewohner zum Vorschein gekommen. Jetzt ist das Gebäude an
der Echternstrasse wieder ein wahres Schmuckstück und bereichert
Lemgoes Gastronomieszene um ein geschichtsträchtiges und
gemütliches Lokal.
